Migrantinnen und muslimische Migrantinnen sind in ihren Zugangsmöglichkeiten zum Arbeitsmarkt benachteiligt. Sie bringen viele formelle und informelle Qualifikationen mit, sind hochmotiviert, scheitern aber an zahlreichen Hürden. Muslimische Migrantinnen und Musliminnen mit Kopftuch sind von spezieller Exklusion betroffen.
An das Problem der Dequalifikation, das aus der Nicht-Annerkennung der Kompetenzen und Ausbildungen von Migrantinnen resultiert, schließen sich für sie weitere Ausschlussgründe an, an vorderer Stelle jenes der Erkennbarkeit als muslimische Frau. Schon beim Vorstellungsgespräch wird vielen dieser Frauen mehr oder weniger klargemacht, dass sie mit dem Kopftuch keine Chance auf Anstellung hätten. Das betrifft alle Berufssparten, von der Reinigungskraft bis hin zur Akadamikerin.
Die Umgehensweise mit den Migrantinnen in der Arbeit selbst, haben wir aus einigen Erfahrungsberichten von Frauen entnommen, die im Pflegebereich tätig waren:
1- Migrantinnen mussten immer die schlechtesten/schwersten Arbeiten tätigen, obwohl es Österreicherinnen gab, die auf der gleich(niedrigen) Stufe arbeiteten
2- Es gab für sie keine Karrierechancen oder auch nur Weiterbildungsmöglichkeiten. Sie wurden aus diesem Angebot einfach ausgeklammert.
3- Migrantinnen, die eine bessere Qualifikation vorzuweisen hatten (z.B. Nostrifizierung als Krankenschwester) wurden abgewiesen, mit dem Hinweis man brauche Pflegehelferinnen.
4- Die Arbeit war für Musliminnen immer nur ohne Kopftuch möglich.
5- Auf kritische Anmerkungen von Migrantinnen betreffend den Arbeitsablauf wurde mit Mobbing reagiert.
6- Beschwerden über ungerechtes bzw. rassistisches Verhalten der Mitarbeiterinnen bei Vorgesetzten wurde von diesen ignoriert.
Aus verschiedenen Berichten können wir Rückschlüsse ziehen, die durchaus verallgemeinert werden können und müssen! Für uns ergibt sich daraus die Herausforderung, interessierte Migrantinnen so zu informieren, dass sie über die schwierigen Bedingungen in diesen Berufen Bescheid wissen, dennoch aber nicht vor einer Weiterqualifizierung zurückschrecken, sondern wissen, wie Hürden auch überwindbar sind (Stichwort: Gleichbehandlungsgesetz).
Hier gilt es umfassende Bewusstseinsarbeit bei ArbeitgeberInnen zu leisten, aber auch bei MittlerInnen zwischen Arbeitsmarkt und arbeitssuchenden kopftuchtragenden Frauen. Unsere Selbstorganisation betrachtet das als eine ihrer Aufgaben. Wir sind uns aber im Klaren darüber, dass ohne aktive, antidiskriminatorische Massnahmen von Seiten der gesellschaftlichen VerantwortungsträgerInnen in Politik, Medien und Wirtschaft das nur ein kleiner Tropfen auf dem heißen Stein ist.
Was wir als Selbstorganisation tun können, ist die konkreten Probleme der betroffenen Frauen in der Arbeitswelt einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, damit sich die Erkenntnis durchsetzt, dass es hier eine Gruppe von Frauen in unserer Gesellschaft gibt, die massiv von Diskriminierung und Exklusion betroffen ist.
Weiters können wir mit betroffenen Migrantinnen und muslimischen Migrantinnen daran arbeiten, Schwierigkeiten und Hemmschwellen abzubauen, um unser Recht auf gleichberechtigen Zugang zum Arbeitsmarkt – als Individuen und gemeinsam - praktisch durchzusetzen.
Migrantinnen und muslimische Migrantinnen wollen den gleichberechtigten Zugang zum Arbeitsmarkt!
* PARTIZIPATION * MITMENSCHLICHKEIT * SOLIDARITÄT * EMPOWERMENT * CHANCENGLEICHHEIT *
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